Hinten rein?

Als ich die Tage in Wuppertal unterwegs war, dachte ich, die WSW seien von ihren PR-Beratern getrollt worden: Mit dem doppeldeutigen Spruch „Hinten rein?“ warb die WSW für den Fahrgastfluss. Flankiert waren die Plakate mit erschrockenen Gesichtsausdrücken wahlweise eines jungen Mannes, einer älten oder einer jungen Frau.

Bild der Hinten-rein-Kampagne

Plakat der Kampagne „Hinten rein?“ an der Haltestelle Wall/Museum

Das ist zwar schon witzig, doch gerade durch die Ereignisse am Kölner Hauptbahnhof darf man sich fragen, ob das jetzt so geschickt war. Und so kommt, wie es kommen musste: Nach Protesten im Internet hat die WSW jetzt zurückgerudert und die Plakate entfernt. Die Doppeldeutigkeit war wohl bewusst:

„Das war schon eine Kampagne mit Augenzwinkern“, sagt WSW-Sprecher Holger Stephan.

Auf der WSW-Seite ist nun der unverfängliche Spruch „Vorne einsteigen!“ zu sehen, illustriert mit einem Bild zweier Teenager die sich verabschieden, eines der beiden Mädchen steigt dabei vorne in den Bus ein. Solche Alltagsszenen hätten für die Kampagne auch gereicht.

Ausnahmen

Eigentlich wollte die WSW mit der Kampagne den Fahrgastfluss erklären – denn bis auf wenige Ausnahmen darf man bei der WSW, wie bei den meisten Verkehrsbetrieben, nur noch vorne einsteigen. Die Ausnahmen hat die WSW auf ihrer Facebookseite genannt:

An folgenden Haltestellen hat sich der Vordereinstieg als nicht praktikabel erwiesen, daher darf hier auch weiterhin hinten eingestiegen werden:

  • Wall/Museum (Hdf)
  • Morianstraße
  • Karlsplatz
  • Ohligsmühle (Hbf)
  • Brausenwerth (Hbf)
  • Alter Markt
  • Oberbarmen

Es gibt zudem Haltestellen an der Universität, an Schulen oder in deren Umgebungsbereich, an denen der Einstieg vorne insbesondere zum Schulschluss nicht durchgeführt werden kann. An diesen Haltestellen wird vom kontrollierten Vordereinstieg abgesehen, wenn hier Gruppen von 30 und mehr Fahrgästen auf den Einstieg warten.

Mobilitätseingeschränkte Kunden haben auch zukünftig die Möglichkeit an der mittleren Tür einzusteigen. Dazu gehören u.a. Fahrgäste mit Rollstuhl oder Rollator, mit Kinderwagen oder Fahrrad. Diese Fahrgäste müssen das Ticket nicht nachträglich beim Fahrer vorzeigen.

Ziel: Mehreinnahmen

Dank dem VRR sind zum 1. Januar die Preise für Tickets wieder gestiegen, gerade auch für Monatskarten-Inhaber. Dabei geben die WSW bei der WZ zu Protokoll:

„Als wir die Regel eingeführt haben, hatten wir einen deutlichen Einnahmegewinn“, berichtet Holger Stephan.

Das Geld benötigt die WSW aber auch dringend – etwa für solche Kampagnen, zu der neben den Plakaten auch gehörte, dass in den letzten Tagen morgens WSW-Mitarbeiter in den Bussen mitgefahren sind. „Wir sind für Sie da!“ steht zwar auf den neongelben Warnwesten, doch wirklich Arbeit hatten die Fahrbegleiter nicht.

Wenn man diese Leute einfach mit Kontrollgeräten ausstatten würde und konsequenter kontrollieren würde bräuchte man den ganzen Vordereinstiegswahn nicht. Seit meinem Text über den Fahrgastfluss vor einem halben Jahr habe ich übrigens gerade mal eine Kontrolle von WSW-Mitarbeitern in zivil im Bus erlebt – also insgesamt drei Kontrollen in einem Jahr.

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